Herzlich Willkommen im Verein Deutscher
Sinti e.V. Minden Bildungszentrum Mer Ketne Wir zusammen!

Verein Deutscher Sinti e.V. Minden Bildungszentrum Mer Ketne, Königstr. 3  32423 Minden

 

In Zusammenarbeit mit der Wilhelm-Fraenger-Gesellschaft e.V.

 

Filmveranstaltung am Donnerstag, den 27.09. 2018 19.00 Uhr

Bildungszentrum Mer Ketne, Königstr.3 (eingang Mieterbund) 32423Minden



 

Bei uns nichts Neues

Menschen von heute lesen Briefe einer jüdischen Familie in Berlin 1940-1943

 

Dokumentarfilm von Shimon Lev

 

Dramaturgie, Recherche, ausführende Produzentin: Astrid Vehstedt

Kamera und Ton: Shimon Lev, Friedemann Derschmidt

Editor: Ido Glass

Mit: Bewohnerinnen und Bewohnern der Thomasiusstraße 11 Berlin

Dauer: 65’

Berlin/Tel Aviv 2014

 

Anschließend Filmgespräch mit Shimon Lev und Astrid Vehstedt

 

Hintergrund:

Berlin, 09.November 1938: die Gestapo hämmert an der Wohnungstür der Familie Löw in Berlin Tiergarten, Thomasiusstrasse 11, Hinterhof, um den Vater Nuchem zu verhaften, doch er ist nicht zu Hause. Im Januar 1939 flieht der 16-jährige Sohn Willy mit einem Kindertransport nach England, die 11-jährige Liane zu Verwandten nach Brüssel. Als im Sommer 1940 deutsche Truppen Belgien und Frankreich überfallen, fliehen die Verwandten mit Liane von Brüssel nach Frankreich. Sie erhalten Visa nach Amerika doch Liane kann nicht mit. Im Januar 1941 ist sie wieder bei ihren Eltern in Berlin. Willy ist als „enemy alien“ in einem Kriegsgefangenenlager in England interniert.

 

Der Film:

Der Dokumentarfilm „Bei uns nichts Neues“ erzählt die dramatischen Ereignisse anhand von 24 der insgesamt 60 Briefe und Rot-Kreuz-Telegramme, welche die Eltern Erna und Nuchem Löw und Liane zwischen 1940 und 1943 aus Berlin an Willy schreiben. Einige Antworten von Willy sind ebenfalls erhalten. Manchmal brauchen die Briefe Monate, und man weiss nicht, ob die Adresse noch stimmt und der Adressat überhaupt noch lebt. Liane und ihre Eltern werden am 17.Mai 1943, als letzte jüdische Familie in der Thomasiusstraße, nach Auschwitz deportiert und dort ermordet. Willy ist der einzige Überlebende der Familie.

Im Zentrum des Films stehen die Briefe von Liane. Zwischentitel geben Auskunft über die geschichtlichen Ereignisse. Heutige Bewohner des Hauses Thomasiusstraße 11 lesen die Briefe in ihren Wohnungen. Der Film hält die Erinnerung an diese Menschen wach, die die Nationalsozialisten auslöschen wollte.

 

Dr.Shimon Lev

Ist der Sohn von Willy Löw. Geboren in Jerusalem. Künstler, Fotograf, Kurator und Forscher für „Indian studies“ und schloss seine Dissertation 2016 an der Hebrew University ab. Er nahm als Fotograf an zahlreichen  Gruppenausstellungen teil und kuratierte 2016 die Ausstellung „The Camera Man: Women and Men Photograph Jerusalem 1900-1940“ im Tower of David Museum. Zu seinen Publikationen zählen: “The Story of Mahatma Gandhi and Hermann Kallenbach (New Delhi: Orient BlackSwan 2012). Er ist der Herausgeber der hebräischen Edition von M.K. Gandhi: Satyagraha in South Africa (Tel Aviv, Babel, 2014) und Hind Swaraj (Tel Aviv, Adam VeOlam 2014)  

 

Astrid Vehstedt

Regisseurin und Schriftstellerin, geboren in Blankenese, wohnt heute in der Thomasiusstraße 11. Sie ist Regisseurin/Bühnenbildnerin und Schriftstellerin. Engagements im Musik- und Sprechtheater in Brüssel, London und Paris. In Brüssel gründete und leitete sie das „ensemble interculturel“ für zeitgenössischen Musiktheater und arbeitete mit der „Fondation Auschwitz Brüssel“ zusammen. Zahlreiche Inszenierungen auf internationaler Ebene (2017 in Bagdad) sowie literarische Publikationen und Bühnenwerke. Sie ist Mitglied des PEN- Clubs.